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Flüchtlingstag an der Realschule

Flüchtlinge an der Realschule Neckartenzlingen

 Klasse 9b

 (Photo 1: Klasse 9b mit syrischen Gästen (ganz rechts und ganz links))

An der Realschule Neckartenzlingen wurde ein Tag der Toleranz zum Thema „Flüchtlinge“ organisiert, an dem Flüchtlinge eingeladen wurden.

Sie erzählten von ihrem Leben im Kriegsgebiet sowie von ihrer Flucht, zeigten Bilder und beantworteten Fragen.

„Flüchtlinge sollten dort hingeschickt werden, wo sie herkommen.“ – „Die nehmen uns die Arbeitsplätze weg.“ – „Mit denen wollen wir nichts zu tun haben.“ Solche Sätze hörte man immer wieder an der Realschule. Das Thema „Flüchtlinge“ dominierte nicht nur die Medien, sondern nahm auch in den Gedanken der Schüler einen großen Platz ein. Dies zeigte sich im Unterricht, in allen Klassenstufen, in vielen Fächern. Auch wenn man die aktuelle Flüchtlingspolitik in Frage stellen kann, darf nicht in Frage gestellt werden, ob man mit Flüchtlingen menschlich umgehen muss.

Da viele Aussagen kursierten, die nichts mit der Realität zu tun hatten, sollten sich die Schüler an einem Vormittag mit dem Thema auseinandersetzen, um Informationen zu gewinnen. So hätten die Schüler die Möglichkeit, ihre Aussagen und Einstellungen zu überprüfen.

Im Folgenden wird nun der Besuch einer Flüchtlingsfamilie geschildert. Die anderen Besuche verliefen ähnlich.

Ola, die englische Literatur studiert hat, Ammar, der Produktionsleiter für Damenkleidung ist und ihre 3-jährige Tochter Lima kamen in den Unterricht einer Klasse. Ola stellte sich und ihre Familie auf Deutsch vor. Das hat sie in den letzten Wochen im Deutschkurs gelernt. Anschließend zeigten Ola und Ammar Bilder aus ihrem Heimatland Syrien. Sie hatten ein Haus, das aussah, wie eines unserer Häuser, auch die Einrichtung war vergleichbar. Obwohl sie mitten im Kriegsgebiet lebten, war dies doch ihre Heimat und sie wollten eigentlich nicht weg. Doch dann schlug eine Bombe in ihr Haus ein und zerstörte alles. Nur noch Schutt und Asche waren übrig. Vorher-Nachher-Bilder zeigten dies eindrücklich. Was tun, wenn man keinen Schlafplatz mehr hat und die eigene Sicherheit und die der 3-jährigen Tochter auf dem Spiel steht? Nichts wie weg von dort. Ola und Ammar fiel es nicht leicht, ihre Freunde und ihre Heimat zu verlassen und sich in ein unbekanntes Leben aufzumachen. Sie waren sich nicht sicher, ob sie jemals ihr Ziel erreichen könnten. Trotzdem machten sie sich auf die lebensgefährliche Reise nach Deutschland in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Nach dem Bericht von Ola und Ammar konnten die Schüler der Familie Fragen auf Englisch stellen: „Wollt ihr hierbleiben?“ Tränen stiegen Ola in die Augen. „Wir wissen es nicht. Wir vermissen unsere Heimat und unsere Freunde sehr. Eigentlich ist Syrien unsere Heimat. Aber es sieht nicht so aus, als ob es sich in der nächsten Zeit bessern würde. Wir versuchen hier so schnell wie möglich die Sprache zu lernen und uns zu integrieren. Irgendwann wird Deutschland für unsere Tochter das Zuhause. Was wir dann machen werden, wissen wir nicht.“

Nachdem die Schüler über die aktuelle Situation informiert wurden und ihre Fragen losgeworden waren, wurde der Tag ausgewertet.

„Das war eine ganz normale Familie“, meinte eine 10.-Klässlerin. „Man kann ihnen nicht verübeln, dass sie hierherkommen. Auch wir würden das Beste und vor allem Sicherheit für unsere Familie wollen“, sagte eine Klassenkameradin. „Es war toll, dass wir Kontakt mit Flüchtlingen hatten. Wir haben uns Flüchtlinge ganz anders vorgestellt“, lautete ein anderer Kommentar.

„Genauso, wie man nicht alle Deutschen über einen Kamm scheren kann, sollte man auch kein allgemeingültiges Urteil über alle Flüchtlinge fällen. Nur wenn man Personen kennt, kann man sie beurteilen und nur durch Kontakte kann man anderen helfen. Dies beeinflusst nicht nur das persönliche Leben auf beiden Seiten, sondern trägt auch zur Integration bei.“ So oder so ähnlich lautete das Resümee vieler Schüler zum Tag der Toleranz.

In einem Jahr wollen viele Klassen diesselben Flüchtlingen wieder einladen, um zu erfahren, wie es ihnen in der Zwischenzeit geht. Vielleicht ist dann das Gespräch vollständig auf Deutsch möglich.

Klasse 8d

(Photo 2: Klasse 8c und Klasse 8d mit unseren Besuchern)

 

 Flüchtlingstag Klasse 10d

(Photo 3: Klasse 10d bekommt Besuch)

 

Einen Fortfolgeartikel zur Flüchtlingsfamilie erschien durch den Stadtanzeiger. Den Artikel finden Sie hier.

Quelle:

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